Montag, 1. April 2013

Unsere Mütter, unsere Väter


Für mich persönlich hätte dieser Dreitteiler den Titel

"Unsere Großmütter, unsere Großväter" 

haben müssen. Denn meine Eltern sind in den Nachkriegsjahren geboren.

Nichts desto trotz, habe ich Diskusionen mit meinem Lebensgefährten geführt, mir meine eigenen Gedanken gemacht und mir Gespräche vorgestellt, wie ich sie mit meinen Großeltern hätte führen können.


Mir ist diese fiktive Geschichte der fünf Freunde, die den zweiten Weltkrieg in jungen Jahren durchlebt haben, sehr nahe gegangen. Schon immer habe ich mit für dieses schreckliche Geschehen interessiert. Wollte wissen, wie "so etwas" geschehen kann.... Hatte als Kind große Angst vor einem Krieg... und habe mich mit der Geschichte der Anne Frank auseinander gesetzt. 
So bin ich zum Beispiel in Bergen Belsen gewesen, habe schon als Jugendliche viele Bücher wie z.B. "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" oder "Ein Stück Himmel" gelesen.

Interessiert habe ich die darauf folgenden Talk Shows geguckt, Kolumnen gelesen und für mich festgestellt:
  1.  es ist die richtige Zeit um dieses Thema  noch einmal aufzuarbeiten
  2.  unser deutsches TV-Programm kann sich endlich wieder "sehen lassen"
  3.  die Medien in Deutschland "zerreißen" jedes Thema
Hätte man diesen Film früher gedreht, wären viele Dinge überhaupt nicht zur Sprache gekommen. Denn wie soll man einen objektiven Film drehen, wenn die "Welt" es noch nicht zulässt, dass man Fehler zugeben darf. Wenn die Welt noch nicht bereit dafür ist, zu akzeptieren, das ein Krieg (Zitat) "nur das Schlechteste in einem zum Vorschein bringt". Und wenn wir, die Kinder und Enkelkinder, noch nicht bereit dafür sind, uns auch offene, ehrliche Worte anzuhören. Worte und Wahrheiten, die wir nicht hören wollen.

Ja, dieser Dreiteiler hat viel Geld gekostet und dennoch oder gerade deswegen ist es so ein großartiges Stück Fernsehfilm geworden.
Absolut empfehlenswert, auch wenn man sich nicht mit der Vergangenheit auseinander setzen möchte, sondern unterhalten werden möchte (auch wenn ich dieses Wort im Zusammenhang mit Krieg fürchterlich finde).
Denn wir reden hier nicht nur von einem großartigem Drehbuch und dessen perfekten Umsetzung, sondern auch von einer neuen Generation deutscher Schauspieler, von denen ich inständig hoffe, dass wir noch sehr viel von ihnen sehen werden.

Mir persönlich hat Tom Schilling in der Rolle des jungen Friedhelm ganz besonders gut gefallen.
Die Entwicklung eines sensiblen, intelligenten jungen Mannes, zu einem Mörder, der innerlich abstumpft, kalt und leer wird, zeigt Tom Schilling nicht nur durch die Dialoge, sondern ganz besonders durch seine ausdrucksvollen Augen und die ausgereifte mimische Darstellung.
Was die Kritik aus Polen zu diesem Film angeht, wollte ich mich eigentlich nicht öffentlich äußern. Nur so viel vielleicht. Ich kann die Empfindungen verstehen. Aber nicht verstehen kann ich die "Aufregung" wenn es um einen Film, etwas fiktives, geht.


Und dennoch zerreißen unsere Medien (wie immer) jeden Film, jeden Roman, jedes Thema.
So stellt die Redakteurin Carin Pawlak im Focus die Frage: "Warum kein Bundeswehr-Soldat". Sie meint damit, warum in der Talk- Runde von Günther Jauch  kein Soldat, der in Afghanistan gedient hat, mit in der Runde der Großväter, Väter und Kinder saß.
Liebe Frau Pawlak, ich könnte es ihnen erklären. In einem Satz sogar:
Es geht bei "Unsere Mütter, unsere Väter" um den zweiten Weltkrieg  nicht um tagesaktuelles Zeitgeschehen.





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